Makro-RG × Buffett-Indikator — Korrelation
Wie eng bewegen sich der CAPE-basierte Makro-RG und der US-Buffett-Indikator (Marktkapitalisierung / BIP) gemeinsam — und wo weichen sie voneinander ab?
1. Kernbefund
Eine Pearson-Korrelation von 0.916 bedeutet, dass sich beide Kennzahlen in ca. 84 % der Fälle in dieselbe Richtung bewegen (R²). Sie teilen dieselben Makrotreiber — Zinszyklen, Konjunkturaufschwünge und Risikobereitschaft — messen aber unterschiedliche Dimensionen desselben Phänomens.
Was jede Kennzahl erfasst: Makro-RG (CAPE/10) zeigt, wie teuer Unternehmensgewinne relativ zu einem geglätteten 10-Jahres-Basiszeitraum bewertet sind. Der Buffett-Indikator gibt an, wie stark der Aktienmarkt relativ zur Gesamtwirtschaft gewachsen ist. Die hohe Korrelation bedeutet, dass beide gleichzeitig Überhitzung signalisieren — doch Ausmaß und Timing ihrer Bewegungen unterscheiden sich, und diese Divergenz enthält Information.
2. Historischer Vergleich (1975–2024)
Jahresreihe. Linke Achse: M(S&P 500)RG10 = CAPE ÷ 10. Rechte Achse: US-Buffett-Indikator (%). Gestrichelte Linien = Durchschnitte des Überschneidungszeitraums.
CAPE-Quelle: Robert Shiller / Yale (Dezember-Monatswert für jährliche Angleichung verwendet). Buffett-Indikator-Quelle: Weltbank — CM.MKT.LCAP.GD.ZS.
3. Warum sie korrelieren — und was jede Kennzahl einzigartig erfasst
- — Zinsen. Niedrigere Zinsen erhöhen Aktienbewertungen (CAPE steigt) und weiten die Marktkapitalisierung relativ zum BIP aus (Buffett steigt). Gleichzeitig.
- — Konjunkturaufschwünge. BIP-Wachstum und Gewinnwachstum fallen tendenziell zusammen und ziehen beide Kennzahlen in dieselbe Richtung.
- — Risikobereitschaft. Bullenmärkte komprimieren Risikoprämien und treiben sowohl das Gewinnmultiplikator (CAPE) als auch das gesamte Markt-Wirtschafts-Verhältnis nach oben.
- — Makro-RG / CAPE. Zyklusbereinigte Gewinnbewertung. Glättet über einen vollen Konjunkturzyklus und erkennt, ob Kurse relativ zur langfristigen Ertragskraft teuer sind.
- — Buffett-Indikator. Strukturelle Konzentration. Wie groß ist der börsennotierte Sektor relativ zur Gesamtwirtschaft? Erfasst Finanzialisierung — den wachsenden Anteil des BIP, den börsennotierte Unternehmen repräsentieren.
- — Die Lücke zwischen ihnen signalisiert, ob Gewinne teuer sind (CAPE-Problem) oder ob Märkte schlicht größer gewachsen sind, als die Wirtschaft rechtfertigen kann (strukturelles Problem).
4. Wichtige historische Episoden
Zeiträume, in denen beide Kennzahlen konvergierten, divergierten oder widersprüchliche Signale gaben.
| Zeitraum | Episode | RG10 | Buffett | Kernbeobachtung |
|---|---|---|---|---|
| 1975–1994 | Strukturell günstige Ära | 0,9–2,0 | 37–71 % | Beide Kennzahlen weit unter heutigem Niveau. Buffett-Indikator jedes Jahr unter 100 %; CAPE auf oder unter langfristigem Durchschnitt. |
| 1995–2000 | Tech-Boom | 2,5→4,4 | 91→153 % | Synchroner Anstieg. CAPE-Höchststand 44,2 (Dez. 1999). Buffett erstmals über 100 %. |
| 2001–2002 | Dot-com-Abschwung | 3,1→2,3 | 132→101 % | Beide sanken gemeinsam, blieben aber erhöht. CAPE fiel langsam, da Gewinne zuvor aufgebläht waren. |
| 2008 | Finanzkrise | 1,5 | 79 % | Buffett fiel 43 % in einem Jahr. CAPE sank weniger stark — Gewinnverzögerungseffekt. |
| 2009 | Erholung nach der Krise | 2,0 | 104 % | Buffett erholte sich +32 %, da Märkte vor den Gewinnen anzogen. Divergenz: Buffett stieg, CAPE verzögerte. |
| 2020–2021 | COVID-Ära | 3,4→3,8 | 197→208 % | Beide auf historischen Höchstständen. Buffett überproportional: Fiskalprogramme ließen BIP langsam wachsen, Aktienmärkte explodierten. |
| 2024 | Aktuell: neues Allzeithoch | 4,13 | 216.3 % | Buffett auf Allzeithoch (216.3 %). CAPE/10 bei 4,13× — erhöht, aber unter dem Dot-com-Höchstwert (4,42×). Strukturelle Divergenz: Aktien jetzt 216.3 % des BIP, historisch einmalig. |
5. Aktuelle Lesart (2026-06 / 2024)
Die Divergenz in der Extremität ist bedeutsam. CAPE ist erhöht, aber nicht auf dem Niveau der Dot-com-Blase. Der Buffett-Indikator befindet sich auf einem echten Allzeithoch ohne historisches Vorbild in 50 Jahren Daten. Diese Asymmetrie deutet darauf hin, dass der Exzess teilweise strukturell ist — Aktien sind als Anteil der Wirtschaft über das hinausgewachsen, was Gewinnmultiplikatoren allein implizieren würden.
Eine Erklärung: Die Post-2010-Ära kombinierte Nullzinspolitik (die CAPE ausweitet) mit Tech-Sektor-Konzentration und Aktienrückkäufen (die die Marktkapitalisierung ausweiten, ohne proportionales BIP-Wachstum). Das Ergebnis ist ein Buffett-Indikator, der strukturell höher gedriftet ist, selbst als CAPE zeitweise korrigierte.
6. Einschränkungen
CAPE-Quelle: Robert Shiller, Yale University — ie_data.xls, Monatsreihe 1881–heute. Buffett-Indikator-Quelle: Weltbank Open Data — CM.MKT.LCAP.GD.ZS, jährlich 1975–2024. Korrelation berechnet auf 50 angeglichenen Jahresbeobachtungen (Dezember CAPE/10 vs. jährlicher Buffett). Nur für Forschungszwecke. Keine Anlageberatung.